
Ein neues Kapitel für LCA in Island
Island wurde das jüngste nordische Land, das eine verpflichtende Lebenszyklusanalyse für Gebäude einführte, als die neue Regelung am 1. September 2025 in Kraft trat. Nach den von der isländischen Wohnungs- und Baubehörde (HMS) festgelegten Vorschriften müssen Bauherren für die meisten Neubauprojekte eine LCA als Teil ihres Bauantrags einreichen. Die Bewertung muss den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes abdecken und über das HMS-LCA-Portal eingereicht werden, bevor eine Genehmigung erteilt wird.
Für einen Markt, der seine ersten formellen Schritte mit verpflichtender LCA unternimmt, bringt der Übergang sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich. Island verfügt noch nicht über die Tiefe an lokalen Umweltdaten oder etablierten Arbeitsabläufen, die Märkte wie Dänemark, Norwegen oder Schweden über Jahre aufgebaut haben. Aber was der isländische Markt hat, ist eine engagierte Gemeinschaft von Fachleuten, die bereit ist, in Werkzeuge und Wissen zu investieren, um dies von Anfang an gut umzusetzen.
Real-Time LCA hat während dieses Übergangs eng mit Unternehmen in ganz Island zusammengearbeitet. Als das Team Anfang 2026 Reykjavík besuchte, war dies eine Gelegenheit, diese Beziehungen zu vertiefen und aus erster Hand zu sehen, wie sich der Markt entwickelte – und M11 Arkitektar gehörte zu den Büros, die dieses Gespräch mit echter Klarheit im Hinblick auf ihren Zweck anführten.
Nachhaltigkeit als nördliche Verantwortung
Unter der Leitung der Architektin Hugrún Þorsteinsdóttir und des Bautechnologen Jón Grétar Magnússon arbeitet M11 Arkitektar an Wohn-, Gewerbe- und öffentlichen Projekten in ganz Island. Das Büro vereint architektonisches Design, technisches Fachwissen und bauliche Expertise unter einem Dach - ein integrierter Ansatz, der prägt, wie sie über Design, Materialien und die langfristige Leistungsfähigkeit von Gebäuden nachdenken. Für M11 ist Nachhaltigkeit kein regulatorisches Kästchen, das abgehakt werden muss; sie ist eine grundlegende berufliche Verpflichtung, geprägt von den spezifischen Realitäten des Arbeitens in Island.
„Als Architekten tragen wir eine bedeutende Verantwortung dafür, wie sich die Gebäude der Zukunft entwickeln und ihre Umgebung beeinflussen - nicht nur in Bezug auf Form und Design, sondern auch hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks, den sie für zukünftige Generationen hinterlassen.“ - Jón Grétar Magnússon, M11 Arkitektar
Die Arbeit in einem nördlichen Kontext verleiht dieser Verantwortung besonderes Gewicht. Islands Natur ist empfindlich. Der Zugang zu Baumaterialien ist begrenzt. Der Transport von Materialien - oft über lange Strecken verschifft - ist sowohl kostspielig als auch kohlenstoffintensiv. Diese Einschränkungen machen nachhaltiges Design nicht nur zu einem Anspruch, sondern zu einer praktischen Notwendigkeit.
„Unser Ziel ist es, Land, Gebäude und Umwelt in einem besseren Zustand zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben, zum Nutzen zukünftiger Generationen. Für uns ist Nachhaltigkeit im Bauwesen grundlegend. Es geht darum, die Umweltauswirkungen zu minimieren, ohne architektonische Qualität oder Funktionalität zu beeinträchtigen. Nachhaltigkeit ist kein Zusatz, sondern ein integraler Bestandteil allen Designs und aller Entscheidungsfindung.“ - Jón Grétar Magnússon, M11 Arkitektar